ANNE STROBL
SKULPTUREN / PLASTIKEN / INSTALLATIONEN
SKULPTUREN
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ARBEITEN IN TON

Die kleinen, skizzenhaft gekneteten Tonfigurinen von 1998, die auf Rädern sitzen oder equilibristisch liegen, aber auch Gegenstände haltend, angespannt oder freihändig entspannt, labile Stellungen durchspielen bzw. in ihrer Fortbewegung innehalten wie die vorgefallen sitzende Gymnastikerin mit dem Ball unter ihren Füßen - sie alle gewinnen durch ihr schlichtes Tun ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, das wohl eine Art Parallelaktion zum auslaufenden Modell des Denk- oder Mahnmals im öffentlichen Raum darstellt. Die zwanghaft durch den Ball gehobenen Füße an ausgestreckten Beinen und der nach vorne gekrümmte Rücken, Nacken und Kopf mit hängendem, gesichtsverhüllendem Haar, machen aus der Turnerin mit Ball eine Allegorie der Melancholie. Männliche Vertreter dieser Radhocker wirken wiederum wie Philosophen, und die Kanten- und Podestsitzer blicken nach oben, als gäbe es von dort doch noch Geistiges zu erfahren.

Dort einzuordnen oder auch am Boden zusammenzustellen sind auch die 2001 entstandenen vierzig Köpfe (nachdem es auch vierzig Boote waren und die im Orient heilige Zahl sich zufällig ergab) aus Ton. Sie sind verschiedenfarbig, ihre malerische unruhige Oberfläche changiert von terrakottafarben über grau bis zu beige mit schwarzen, großporigen Stellen. Sie sind beidgeschlechtlich, verschiedenen Alters, und sie agieren unterschiedlich. Manche senken den Kopf, andere blicken nach oben, wie es schon bei den Sitzenden der Fall war. Andere haben den Mund zum Singen geöffnet, wenige blicken schmerzverzerrt, legen sich schräg, ein einziger trägt einen Hut. Die Köpfe sind schmal, eierförmig breit, sie sind vorne spitz zulaufend, haben breite oder schmale Hälse, auch die Gesichter können lang oder rund sein; die Augen wirken oft geschlossen und nach innen gerichtet, vielleicht horchend. Alle zusammen haben wieder Ähnlichkeit mit den Konzepten Gormleys oder Kiki Smith’, aber auch mit den lockeren Gruppierungen von Frauengestalten aus der Geschichte, die Nancy Spero mit Modeln zum Druck auf die Wand fertigt. Natürlich sind hier wie bei den Booten und den sitzenden Equilibristen die Schatten, die diese werfen, sehr wichtig, sie können als weiterer malerischer Faktor die Suggestionskraft der ganzen Installationen sogar erhöhen. Der „Paragone“ zwischen Malerei und Bildhauerei ist als Dialog eröffnet.

Auszug aus einem Text von Brigitte Borchhardt-Birbaumer